Anschussseminar brachte Jägern viel Wissen

09. Sep 2023

Nachsuchenführer Stefan Jehl informierte vor allem über Arbeit „nach dem Schuss“

Mit dem Nachsuchenführer Stephan Jehl hatte die BJV-Kreisgruppe Bad Kötzting am 9. September einen erfahrenen Jäger und Hundeführer eingeladen, der in einem Anschussseminar aufzeigte, wie Treffer am Wild zu bewerten sind und welche Anforderungen sie an die Nachsuche stellen.
Grundsätzlich war sich Stefan Jehl mit dem Organisator der Veranstaltung, dem 2. Vorsitzenden Anton Späth, in einem Punkt einig: Nicht nur die Suche nach erkennbar verletztem Wild ist wichtig, sondern auch die Kontrollsuche mit einem erfahrenen Hund, wenn der Schütze glaubt, das beschossene Stück verfehlt zu haben. Dass Nachsuchen nicht selten in Schwerstarbeit ausarten, hat auch Anton Späth schon erfahren, der seit mehreren Jahren mit seinem Bayerischen Gebirgsschweißhund als einer von zwei bestätigten Nachsucheführern im Landkreis Cham im Einsatz ist. Gerade nach Laufschüssen oder schlechten Treffern auf Wildschweine können die Suchstrecken über mehrere Kilometer führen, wobei verwundete Sauen besonders gerne extreme Dickungen, Brombeerschläge oder Feuchtgebiete aufsuchen. Zudem sind größere Wildschweine durchaus wehrhaft und können auch den sie verfolgenden Hund samt Führer erheblich verletzen. Schutzwesten für den Hund und „keilersichere“ Schutzhosen für den Hundeführer stellte Stefan Jehl zusammen mit der umfangreichen Ausrüstung für eine Nachsuche vor. Nach Lohberg, wo Anton Späth mit mehreren Helfern das Seminar vorbereitet hatte, war Jehl mit seinem Hannoveraner Schweißhund „Eros Zuffi“ gekommen. Im Revier von Späth waren acht „Schussbilder“ aufgebaut worden, an denen Schuss- oder Pirschzeichen, beispielsweise Schnitthaar, Lungenstücke, Teile des Herzens, Knochensplitter oder Darminhalt untersucht wurden.

Stefan Jehl erläuterte am Vormittag den 14 Teilnehmern, nach der Begrüßung durch Kreisgruppenvorsitzenden Roland Heigl, welche Informationen für den Nachsuchenführer wichtig sind, um beurteilen zu können, wie der Hund zum Erfolg kommen wird. Ist das Tier bei der Pirsch oder am Ansitz beschossen worden, war die Waffe sauber eingeschossen, wurde Nachtsicht- oder Wärmebildtechnik (nur bei Wildschweinen erlaubt) eingesetzt und wie stand oder zog das Tier im Moment der Schussabgabe? All das sind Fragen, die vor Beginn der eigentlichen Suche geklärt werden müssen. Hundenasen verfügen über rund 220 Millionen Riechzellen, wogegen der Mensch nur fünf Millionen zur Verfügung hat, um sich mit der Nase zu orientieren. Trainierte Jagdhunde – und hier besonders die Schweißhunde als absolute Spezialisten für Nachsuchen oder Mantrailing – können deshalb die Fährte eines verletzten Tieres über weite Strecken zuverlässig verfolgen, selbst wenn viele „Verleitfährten“ den Weg des verletzten Tieres kreuzen. Wie Stephan Jehl ausführte, steigen in der Donau-Altmühl-Nachsuchengruppe, wo er tätig ist, die Anforderungen, seit immer mehr Blei- und Tombakhaltige Geschosse durch bleifreie Munition ersetzt werden. Nach dem ausführlichen theoretischen Teil stand nach der Mittagspause die praktische Schulung an, bei der es Pirsch- und Schusszeichen zu untersuchen galt. Am Ende waren sich Teilnehmer und Organisatoren einig: „Dieses Seminar hat wirklich viel gebracht“. 

Foto: Dachs

Bild: Stephan Jehl (mit Zeigestock) demonstriert an einer Anschussstelle, wie die vorgefundenen Pirschzeichen einzuordnen sind. Foto: Roland Heigl

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Der Referent mit seinem Hannoveraner Schweißhund „Eros Zuffi“ inmitten der umfangreichen Ausrüstung, die für Nachsuchen erforderlich ist.  Foto: Dachs

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